- Widmung der symphonischen Dichtung "Tapiola" -

Da dehnen sich des Westlands Wälder, uralt, geheimnisvoll in wilden Träumen, Waldgeister weben in dem Dunkel.

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Samstag, 20. November 2010

KÜRZLICH GESEHEN...

NAGAGUTSU O HAITA NEKO - PERIX DER KATER
Kimio Yabuki (1969) 8,5/10

Der kommerziell erfolgreichste Anime der frühen Jahre des Toei Studios. Frei nach dem Märchen DER GESTIEFELTE KATER der Gebrüder Grimm schuf Kimio Yabuki eine farbenfrohe fantasievolle Abenteuergeschichte über einen Jungen, die männliche Variante des Aschenbrödel, der mit Hilfe des aus dem Katzenreich verstoßenen Kater Perix das Herz der Prinzessin gewinnt und sie aus den Fängen des Höllenfürsten befreit. Ein Trickfilmklassiker der (nicht nur Kindern) einfach Spaß macht.

GOJIRA - GODZILLA 
Ishiro Honda (1954) 7,5/10

DER Klassiker des japanischen Monsterfilms dem unzählige Sequels folgen sollten und damit ein ganzes populäres Genre begründete. Ich persönlich halte ihn für etwas angestaubt und inszenatorisch weit unterhalb des Niveaus der großen Meisterwerke des japanischen Kinos der 1950er Jahre. Die mit der Subtilität eines Holzhammers plakativ im Schlusswort propagierte Kritik an der Atomkraft wirkt insgesamt sehr aufgesetzt, auch wenn die Lust an der Zerstörung durchaus als Echo der gesellschaftlichen Erschütterung durch den Atombombenabwurf auf Japan und die Angst vor radioaktiver Verstrahlung zu verstehen ist. Mir wird diese „tiefgründige“ Botschaft etwas zu platt vermittelt, genauso platt wie die Häuser die GODZILLA in seinem Amoklauf durch die Straßen Tokyos hinterlässt. Die Fans dieses Genres mögen mich steinigen, aber seine relativ hohe Wertung erhält er von mir nur aufgrund seiner unbestrittenen filmhistorischen und popkulturellen Bedeutung.

DER JUNGE TÖRLESS 
Volker Schlöndorff (1966) 8,5/10

Der Erstling von Schlöndorff gehört meiner Meinung nach auch gleichzeitig zu seinen besten Filmen. In nüchterner Sachlichkeit dampft er die Handlung der Romanvorlage auf ein dürres Skelett ein und schafft so, ganz unabhängig von Musils literarischem Werk, einen der ersten bedeutenden Beiträge des NEUEN DEUTSCHEN FILMS. Eine schwarzweiße Studie über die kleinen und großen menschlichen Grausamkeiten, die Natur des Sadismus, der Gleichgültigkeit und der Feigheit. Die stark schwankende Leistung der Darsteller und mancher zeitbedingte Manierismus schmälern zwar den Gesamteindruck ein wenig, aber insgesamt ist Schlöndorffs straff und kühl inszeniertes Debüt beeindruckend geglückt. Interessant zu erwähnen ist noch die mittelalterlich anmutende Filmmusik von HANS WERNER HENZE, einem der bedeutendsten Vertreter der deutschen avantgardistischen Musikszene.

JAKKU TO MAME NO KI - TOM, CROSBY UND DIE MÄUSEBRIGADE 
Gisaburō Sugii (1974) 9/10

Ein Lieblingsfilm aus meiner Kindheit. Zu ernsthafter Kritik bin ich deshalb aufgrund nostalgischer Verwirrung nicht fähig. Die Riesenbohnenranke, der schrecklich plumpe Riese Tulpe, seine Mutter - die böse Hexe, das Huhn das goldene Eier legt, die singende Harfe, eine Bande verzauberter Mäuse und der mutige Junge Tom und sein treuer Hund Crosby, prägten manch trüben Fernsehnachmittag. Ich kann mir diesen bezaubernden Klassiker des 1970er Jahre Anime einfach immer wieder ansehen.

Alexander Sokurov (2004) 6/10

Sokurov stellt in seinem Doku-Drama die Ereignisse des Jahres 1945 aus der Sicht des Showa-Tenno Hirohito nach. Das Niveau dieses Geschichts-Kammerspiel, liegt irgendwo im Bereich zwischen Guido Knopp und Fernsehspiel-Nirwana. Am interessantesten gelungen sind dabei noch die Sitzung des Kronrates zu Beginn des Films, mit seinen erstarrt förmlichen Strukturen und die Begegnungen Hirohitos mit dem Oberkommandanten der Amerikaner MacArthur, der Zusammenprall zweier Kulturen. Insgesamt nur für den an japanischer Geschichte interessierten Zuschauer sehenswert.

HONG GAOLIANG - ROTES KORNFELD 
Zhang Yimou (1987) 9/10

Zhang Yimous erster Spielfilm gewann gleich den Goldenen Bären und etablierte ihn als einen der herausragenden Vertreter des jungen chinesischen Films, der in den 1990ern seine große Blüte erleben sollte. In den nächsten Jahren blieben Yimou und seine Regiekollegen (wie z.B. Chen Kaige) Dauergast auf den europäischen Filmfestivals. Die berauschende Bildästhetik Yimous verbindet sich hier mit der rauen Form eines Epos einer unmöglichen Liebe. Die durchaus vorhandene Schwäche der erzählerischen Struktur wird durch die Wucht der Bilder weggewischt. Ingesamt ein dynamisches, in seiner rohen Kraft beeindruckendes Frühwerk Zhang Yimous. Seine mitreißende Familiensaga LEBEN bleibt aber mein Lieblingsfilm von ihm. Die diesen Monat erschienene DVD von ARTHAUS (Kinowelt) bietet übrigens eine ausgezeichnete Bildqualität.

SUKAI KURORA - THE SKY CRAWLERS 
Mamoru Oshii (2008) 9/10

Wohltuender Weise vertraut Oshii in diesem Anime-Epos stärker als zuvor allein auf die Kraft der elegischen atmosphärischen Bilder, statt die Handlung mit kryptischen Philosophie-Phrasen zu ersticken, wie er es z.B. bei GHOST IN THE SHELL II – INNOCENCE zuletzt tat. Eine in einem Kreislauf der ewigen Wiedergeburt gefangene Fliegerstaffel von Teenagerpiloten führt einen ewigen Luftkrieg stellvertretend für eine Gesellschaft, die den Krieg abgeschafft hat und in nostalgischer Verklärung den Nervenkitzel des Kampfes in den Himmel verlegt. Insgesamt ein großartiger Film Oshiis der all seine Stärken ausspielt. Atmosphärische Bildkompositionen, Luftschlachten, traurige melancholische Charaktere und ein Bassett. Einzig die etwas zu erstarrt geratenen Gesichter der Piloten, hätten etwas mehr Mimik vertragen, da sie so eher wie Masken oder Puppen wirkten. Ein Effekt der aber wohl durchaus so beabsichtigt war, um die sinnlose Leere der Existenz der ewig reinkarnierten Piloten zu verdeutlichen. Die jüngst von UNIVERSUM veröffentliche DVD/BLU-RAY ist übrigens ohne Einschränkungen empfehlenswert.

SHIN SHIKOTEI - DER GROSSE WALL 
Shigeo Tanaka (1962) 6,5/10

Ein japanischer Historienschinken nach dem Vorbild amerikanisch-italienischer Monumental- und Sandalenfilme der 50er und 60er Jahre. Die Lebensgeschichte des ersten chinesischen Kaisers, sein langsames abgleiten vom seine Regentschaft mit hohem Anspruch beginnenden Reichseiniger zum menschenverachtenden Despoten, wird in ziemlich konventionelle monumentale Bilder gegossen. Den hohen finanziellen Aufwand merkt man jeder Einstellung, den Kostümen und aufwendigen Bauten an. Dennoch fehlt dem Ergebnis etwas, eine eigenständige stilistische Identität, die den Film erst zu einem Meisterwerk machen würde. Ein solches Historienepos hätte genauso gut in den Hallen der römischen Filmstadt Cinecittà, von jedem x-beliebigen Hollywoodauftragsregisseur gedreht werden können.

Kommentare:

  1. Zu Schlöndorffs "Törless": Ich denke, du hast das völlig richtig erkannt. Es geht in Musils Novelle nämlich gar nicht so sehr um die wie in einem Traum wahrgenommene vordergründige "Handlung" (Homosexualität und Sadomasochismus thematisierend ), sondern um das erzählerische Bewältigen eines solchen Traumzustands (die Problematik des Erzählens war ja seit Hofmannsthals "Brief des Lord Chandos" von Bedeutung). - Weiss der Himmel, wie manche Regisseure eine solche Thematik umgesetzt hätten! Schlöndorff tat jedoch gerade das Richtige: Er inszenierte kühl, reduziert - und bringt dadurch das Traumartige erst recht zur Geltung. Der Film ist - etwa im Gegensatz zur leicht manieristischen "Blechtrommel" (1979) - ein kleines Juwel.

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  2. Schlöndorffs blecherne Trommel spiegelt den "Manierismus" der literarischen Vorlage aber ganz gut in das Medium KINO, von daher ist es eine geglückte Literaturverfilmung. ;-)

    Die BLECHTROMMEL ist halt der Prototyp des auf internationalen Ruhm und Oscarwürden schielenden deutschen Betroffenheits- und Vergangenheitsbewältigungskinos, für das Teile der heimischen Filmindustrie ihr letztes Hemd geben.

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  3. Das DVD-Layout von RED SORGHUM sieht ja mal extrabeschissen aus.

    Als ich den TÖRLESS vor Ewigkeiten mal als Jugendlicher gesehen hatte, war ich reichlich verstört. Diese kühl distanzierte Art hat mich regelrecht vor den Kopf gestoßen. Vermutlich war ich da noch zu jung für...

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  4. @Mono.Micha
    Ja, das Layout von ROTES KORNFELD ist eher suboptimal gelungen. Dafür stimmt aber der Inhalt, vor allem im Vergleich zu meiner alten UK DVD, die ich nun getrost im Müll entsorgen kann.

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  5. Ich glaube, man sollte nachsichtig mit GODZILLA sein. Subtilität ist sicher nicht seine Stärke, aber erstens bestand beim Thema Atombombe noch ein gewisser Nachholbedarf. Unter der Besatzung war das ein Tabuthema, deshalb durften bis 1952 keine Filme gedreht werden, die auch nur entfernt damit zu tun hatten. Zweitens gab es einen aktuellen Anlass, nämlich die Verstrahlung des Fischkutters Glücklicher Drache V beim Bikini-Atoll. Der Vorfall verursachte in Japan ziemliches Aufsehen, und 7 Monate später kam GODZILLA in die Kinos. 1959 ließ sich auch Kaneto Shindo zu einem Film darüber inspirieren.

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  6. @Manfred Polak
    Ich denke mit 7,5 von 10 zertrampelten Häuserblocks war ich schon mehr als nachsichtig... ;-)

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