- Widmung der symphonischen Dichtung "Tapiola" -

Da dehnen sich des Westlands Wälder, uralt, geheimnisvoll in wilden Träumen, Waldgeister weben in dem Dunkel.

Seiten

Montag, 11. Oktober 2010

Die avantgardistische Musik Toru Takemitsus


Toru Takemitsu (1930 - 1996)

Takemitsu - Großmeister der Postmoderne


Toru Takemitsu wurde 1930 in Tokyo geboren. Seine Eltern siedelten kurz darauf in die Mandschurei über, wo er seine ersten Lebensjahre, bis zu seiner Einschulung verbrachte. In dieser Zeit hatte er keinen Kontakt mit westlicher Musik, da diese gemäß der staatlichen Kulturpolitik als degeneriert und unjapanisch galt. Seine Schullaufbahn wurde 1944 je unterbrochen, als er 14-jährig zum Militärdienst eingezogen wurde. Die harte Zeit brutalen militärischen Drills sollte Takemitsu weiteres Leben prägen. Heimlich hörte er mit Kameraden auf einem Grammophon französische Chansons und seine Begeisterung für  westliche Musik wurde geweckt. Nach Kriegsende lag er längere Zeit schwer krank in einem Hospital der US-Armee, wo er gebannt den amerikanischen Radio-Shows lauschte und erstmals in Kontakt mit klassischer europäischer Musik geriet. 16-jährig, angeregt durch diese musikalische Erfahrung, begann er erste eigene Stücke zu komponieren und beschloss professioneller Musiker zu werden. Zunächst als Autodidakt eignete er sich die Grundlagen der Kompositionslehre an, bevor er 1948 seinen Unterricht bei Yasuji Kiyose aufnahm. 

Takemitsu: Orchestral Works [Doppel-CD]
Label: Brilliant Classics
Toward the Sea/Rain Tree/ ... [CD]
Label: Naxos

In seiner ersten Schaffensperiode löste er sich strikt von allen japanischen Einflüssen, ein Umstand den er später direkt auf seine Erfahrungen beim Militär und der kulturellen Unterdrückung während des Krieges zurückführte und eiferte europäischen Vorbildern, speziell der zweiten Wiener Schule um Schönberg und dem französischen Impressionismus um Debussy, nach. Doch schon bald entwickelte er einen ganz eigenen avantgardistischen Stil und begann etwa mit elektronischer Musik zu experimentieren.
Sein internationaler Durchbruch gelang Takemitsu mit seinem Requiem für Streicher, das Igor Stravinsky 1958 auf einer Japanreise zufällig im Radio hörte und daraufhin, begeistert von der Musik,  umgehend Aaron Copland auf diesen begabten jungen Komponisten aufmerksam machte. Copland verschaffte Takemitsu einen Kompositionsauftrag, was ihn rasch auch in westlichen Konzertsälen bekannt machte.  
Beeinflusst wurde er in diesen Jahren durch die progressive internationale junge Komponistengeneration  (Cage, Stockhausen, Schaeffer, Messiaen, etc.), aber auch amerikanischen Jazz und westliche Populärmusik (Beatles-Arrangements für Gitarre).  Doch erst sein Kontakt mit John Cage Anfang der 1960er Jahre stieß ihn wieder auf die eigene japanische Musiktradition, die er von nun an offensiv in seine Werke integrierte.

The Film Music of Toru Takemitsu [CD]
Label: Nonesuch/Film Series

Ran/Nami No Bon/Fantasy/Memory [CD]
Label: Chandos

Toru Takemitsu begeisterte sich schon früh für das Kino und komponierte ab den 60er Jahren zahlreiche Filmmusiken. Im Laufe seines Lebens arbeitete er so mit fast allen wichtigen japanischen Regisseuren seiner Zeit, schrieb Musik für mehr als 100 Filme und Fernsehproduktionen. Die Handschrift seiner Filmmusik war einem stetigen Wandel unterworfen, weshalb die Ergebnisse für den Laien extrem unterschiedlich klingen. Filmkomponisten haben oftmals einen sehr einprägsamen Personalstil, der sich über die Jahre kaum verändert. Dadurch lässt sich ihre Musik auch für ein ungeschultes Ohr sofort zuordnen (z.B. Susumu Hirasawa oder Joe Hisaishi). Nicht so bei Takemitsu, der traumwandlerisch zwischen verschiedensten musikalischen Stilen hin und her sprang.

Im Folgenden stelle ich eine Reihe von Beispielen seiner Filmkompositionen vor, die seine Vielseitigkeit sofort verdeutlichen:


Masaki Kobayashi


Masahiro Shinoda



Hiroshi Teshigahara


Hiroshi Teshigahara



Hiroshi Teshigahara


 
Hiroshi Teshigahara



 (The Man Who Left his Will on Film)
Nagisa Oshima


Yukio Fukamachi



1985: RAN (I & II) 
Akira Kurosawa



Shōhei Imamura

Freunde des japanischen Films stolpern über Takemitsus Namen in einer Vielzahl großer Klassiker des japanischen Kinos der 60er, 70er und 80er Jahre, zu denen er immer einen unverwechselbaren Soundtrack beisteuerte. Sein vielschichtiges Werk umfasst beinahe alle musikalischen Gattungen. Von klassischer Konzertmusik, traditionell japanischen Ensemblestücken, über Chansons und Jazz, bis hin zu Film- und Theatermusiken, hinterließ er ein einzigartiges kompositorisches Erbe. Ohne Übertreibung kann man Toru Takemitsu als den wichtigsten und einflussreichsten japanischen Komponisten des 20. Jahrhundert bezeichnen.   

Kommentare:

  1. Es gibt auch einen Dokumentarfilm über Takemitsu, Music for the Movies: Tôru Takemitsu (1994). Neben dem Meister selbst treten u.a. Kobayashi, Shinoda, Teshigahara, Oshima und Donald Richie darin auf.

    http://www.amazon.com/Music-Movies-Toru-Takemitsu/dp/B000TJ0SBS/
    http://www.amazon.co.uk/Music-Movies-Toru-Takemitsu-Region/dp/B000TJ0SBS/

    AntwortenLöschen
  2. Danke für den Tipp! Auf Youtube gibt es glaube ich einen schlechten TV-Mitschnitt der Doku zu "bewundern".

    AntwortenLöschen
  3. Ich kann als Empfehlung noch HIMATSURI (DAS FEUERFESTIVAL) von Mitsuo Yanagimachi ergänzen, den ich gerade gesehen habe. Ein ausgezeichneter Film mit einem verstörenden Ende.

    Takemitsus Musik wird sparsam, aber sehr wirkungsvoll eingesetzt, wie man es von ihm kennt. Sobald sie einsetzt, legt sich eine unwirkliche, fast magische, aber auch bedrohliche Atmosphäre über die Naturaufnahmen (Bergwälder und Küstengewässer um Nigishima).

    AntwortenLöschen