Die ersten 5 bis 10 Folgen dieser Serie dachte ich noch, es handele sich um einen dieser zahlreichen austauschbaren Evangelion/Gundam Klone, ein typisches Coming-of-Age-Drama, die das Genre des Shōnen-Anime eine Zeit lang überschwemmten. Und dies nicht ohne Grund, denn EUREKA SEVEN besitzt alle typischen Merkmale der genannten Vorbilder. Ein jugendlicher Held, ein unnahbares rätselhaftes Mädchen, große sich transformierende Kampf-Roboter, die sich als lebendig herausstellen, mysteriöse schier unbesiegbare Feinde. Ein müdes Gähnen bemächtigte sich schon meines Gesichts. Die Rahmenhandlung und das Design der Serie des Anime-Studios BONES bedienen sich zwar durchaus geschickt aus dem Fundus früherer Genre-Klasiker und es gelingt EUREKA den altbekannten Mustern ganz neue Akzente abzugewinnen. Etwa in der Etablierung eines lebendigen weltumspannenden Organismus, den korallenartigen Coralians oder den dynamischen, eine interessante Surf-Akrobatik bietenden Luftkämpfen. Und dennoch, dies allein würde EUREKA SEVEN nicht über das Mittelmaß hinaus heben.
![]() |
| Holland und Talho |
Ich wollte die Serie also schon innerlich abhaken, 50 Folgen altbekannter Genremuster, bedeuten einfach zuviel verlorene Lebenszeit. Doch dann, ehe ich es ganz begriff, geschah etwas seltsames und ein Funken Interesse loderte auf, wuchs schleichend zu einem Feuer heran und ich begann mich am Schicksal der Charaktere zu berauschen, ihrer Wut, ihrem Stolz, ihrem Mut, ihrer Angst, ihrer inneren Verletzlichkeit und Verzweiflung, ihrem Hunger nach Liebe und ich wollte, nein, musste wissen welchen Weg ihr weiteres Schicksal einschlagen würde.
![]() |
| Renton beim Luft-Surfen |
Es ist also nicht die auf den ersten Blick dem Anime-Klischee entsprechende Grundkonstellation der Serie, die EUREKA SEVEN zu etwas besonderem macht, sondern die Entwicklung der Charaktere, namentlich der beiden Hauptfiguren Eureka und Renton. Sie bilden das Herzstück der ganzen Handlung, um die sich weitere Nebenfiguren, vor allem die bunt zusammen gewürfelte Mannschaft der Gekko unter ihrem Anführer Holland oder die Antagonisten Colonel Dewey Novak und Anemone, versammeln.
Renton ist ein typischer 14-jähriger Teenager, der sich vor allem ausprobieren, seine Grenzen entdecken, seinen Platz in der Welt der Erwachsenen erkämpfen will und von dem einfältigen Traum erfüllt ist, ein großer weltberühmter Luftsurfer zu werden. Sich zunächst naiv in einer wahr gewordenen Abenteuerfantasie wähnend, stolpert er in einen Konflikt, dessen weltumspannende Bedeutung er nicht begreift. Von hormonellen Stürmen gebeutelt möchte Renton nur das „Mädchen“ beschützen, versucht ihr tölpelhaft zu imponieren und sein Gefühlschaos zu bändigen. Spät, fast zu spät, beginnt Renton zu begreifen, dass die von ihm ausgefochtenen Luftkämpfe blutiger Ernst sind, dass Menschen sterben, dass jede Handlung Konsequenzen hat und an dieser Erkenntnis droht er beinahe zu zerbrechen.
![]() |
| Die Mannschaft der Gekkostate |
Renton ist ein typischer 14-jähriger Teenager, der sich vor allem ausprobieren, seine Grenzen entdecken, seinen Platz in der Welt der Erwachsenen erkämpfen will und von dem einfältigen Traum erfüllt ist, ein großer weltberühmter Luftsurfer zu werden. Sich zunächst naiv in einer wahr gewordenen Abenteuerfantasie wähnend, stolpert er in einen Konflikt, dessen weltumspannende Bedeutung er nicht begreift. Von hormonellen Stürmen gebeutelt möchte Renton nur das „Mädchen“ beschützen, versucht ihr tölpelhaft zu imponieren und sein Gefühlschaos zu bändigen. Spät, fast zu spät, beginnt Renton zu begreifen, dass die von ihm ausgefochtenen Luftkämpfe blutiger Ernst sind, dass Menschen sterben, dass jede Handlung Konsequenzen hat und an dieser Erkenntnis droht er beinahe zu zerbrechen.
Eureka hingegen, die körperlich 14-jährige Pilotin der Nirvash (einem lebenden Kampfroboter), wirkt zunächst seltsam emotionslos, eine leer erscheinende Persönlichkeit, die einzig dem Anführer der Gekko Holland vertraut und blind alle seine Befehle befolgt. Erst im Kontakt mit Renton beginnen sich in ihr Emotionen zu entwickeln, die sie im Verlauf der Serie in immer stärkerem Maße zu erschüttern beginnen, hatte sie doch zuvor nie gelernt menschlich zu fühlen, zu lieben, zu hassen, zu verzweifeln, Angst zu haben, sich Mut zu erkämpfen. Die immer unkontrollierbarer wuchernden Emotionen lösen in Eureka Panik aus und sie flüchtet in ihr Innerstes, möchte wieder zu dem werden was sie einst war, ein unbeschriebenes Blatt Papier.
![]() |
| Die Gekkostate |
Im Grunde erzählt EUREKA SEVEN also eine Geschichte vom Erwachsenwerden, vom Erlernen Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, vom Begreifen was es heißt ein Mensch zu sein. Das Finale der Serie kann vielleicht nicht jeden Zuschauer vollständig überzeugen, allzu viele zuvor aufwendig etablierte Handlungsstränge werden abrupt und kommentarlos abgeschnitten, verlaufen im Nichts, doch zumindest auf emotionaler Ebene funktioniert es so wie es ist, zumindest für mich, sehr gut. Und natürlich badet das Ende geradezu in Kitsch, aber das sollte langjährige Anime-Freunde nicht wirklich überraschen. Besonders erwähnenswert ist noch der interessante Soundtrack der Serie, der sich aus teilweise ziemlich eigenwillig wirkender elektronischer Musik, Techno und Rave* zusammensetzt, aber auch viele orchestral anmutende Stücke effektvoll einzubauen versteht und so perfekt die Atmosphäre der Handlung verstärkt. Die wechselnden Titel- und Abspann-Musikstücke werden dagegen durch (mich meist anödenden) konventionellen J-Pop geprägt, dessen qualitative Beurteilung wie immer Geschmackssache ist.
![]() |
| Eureka im Kriegsgebiet |
Gedanken zur deutschen Synchronisation
Viel habe ich gelesen über angeblich schlechte deutsche Synchronisationen und die per Naturgesetzt unangreifbaren japanischen Vertonungen von Anime-Serien. Mit Verlaub, das ist dummes Zeug! Für mich als durch den mitteleuropäisch-deutschen Kulturraum geprägten Zuschauer funktioniert eine professionell gemachte deutsche Synchro häufig weitaus besser, als die japanische Fassung. Was viele fanatische Anime-Liebhaber anscheinend nicht bemerken ist die Tatsache, dass in vielen Animeserien stets dieselben Typen/Stereotypen besetzt werden. Viele Sprecher klingen ihrem Klischee entsprechend, das sie verkörpern, austauschbar. So etwas anzumerken gilt in gewissen Fankreisen aber schon als Ketzerei.
![]() |
| Colonel Dewey Novak |
EUREKA SEVEN ist in Beispiel für eine sehr gute, an den mitteleuropäischen Kulturraum angepasste, Synchronisation. Alle Hauptcharaktere sind passend besetzt und können locker mit ihren japanischen Kollegen mithalten. Gerade der so viel gescholtene Sprecher Rentons, Raul Richter, kann mit seiner ganz eigenen Interpretation der Rolle glänzen. Er wirkt zwar weitaus weniger androgyn als in der japanischen (wo eine Frau Renton spricht) Fassung, ist weitaus "männlicher", was aber meiner Ansicht nach viel besser zu der Figur des nervigen pubertierenden Teenagers passt. Desgleichen gilt für Eureka, deren deutscher Stimme es gelingt der Figur weitere Dimensionen hinzuzufügen. Hin und herpendelnd zwischen Unsicherheit, Melancholie und verzweifelter Entschlossenheit, gibt Julia Meynen Eureka auch eine tiefe Wärme, die der zarteren japanischen Kollegin etwas abgeht. Eine wirklich gelungene Neuinterpretation der originalen japanischen Vertonung.
![]() |
| Eureka und Renton |
Zusammenfassung:
EUREKA SEVEN ist eine wirklich herausragende Animeserie, dessen zeichnerisches Design und die erschaffene Welt, dem relativ abgedroschenen Mecha-Universum neue Impulse verleihen können. Das eigentliche Prunkstück der Serie bildet jedoch das äußerst gelungene lebendige Charakterdesign und die Entwicklung der Beziehung der beiden Hauptcharaktere Eureka und Renton. Die Geschichte von den Coralians und ihrer Konfrontation mit den Menschen, wird dabei fast zur unwichtigen Randnotiz. EUREKA SEVEN gehört damit, in meinen Augen, sicherlich zu den besten Anime-Serien der letzten Dekade und jeder Fan japanischer Trickkunst, der einem Science-Fiction-Romance-Action-Drama etwas abgewinnen kann, sollte dieser tollen Serie eine Chance geben.
![]() |
| Eureka, Renton und die Nirvash |
*Einige Begrifflichkeiten aus EUREKA SEVEN, wie der Second-Summer-of-Love, lassen sich direkt auf die Rave-Szene zurückführen.
Titel: EUREKA SEVEN - Kōkyōshihen Eureka Sebun
Zeichenstudio: Bones
Entstehungsjahr: 2005
Entstehungsjahr: 2005
Länge: 51 Folgen / à 25 Minuten
DVD: Beez Entertainment
Ton: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch











































